Typische Denkweisen unter Angst

Transkribiertes Video im Wortlaut:

Wenn körperliche Symptome plötzlich und ohne offensichtlichen Grund auftreten, versucht man eine Erklärung dafür zu finden. Dabei treten häufig Befürchtungen auf, dass die eigentlich normalen körperlichen Symptome das Anzeichen einer ernsten körperlichen oder psychischen Erkrankung sein könnten.

Die Top 5 Missinterpretationen körperlicher Symptome sind:

Erstens: "Ich werde verrückt! Ich drehe durch!"

Einige Personen glauben, dass die erlebten Angst- und Paniksymptome bedeuten, dass sie verrückt werden, d.h. dass die Symptome Anzeichen einer schweren Erkrankung sind. Wie zum Beispiel: Psychosen. Dabei spielen vor allem Symptome, wie das Gefühl vom eigenen Körper oder der Realität losgelöst zu sein,  gestörte Wahrnehmungen und Konzentrationsprobleme eine Rolle. Aber ich kann Sie beruhigen! Tatsächlich unterscheiden sich die Symptome einer Schizophrenie oder anderer schwerer psychotischer Erkrankungen jedoch gravierend von Paniksymptomen. Denn bei Schizophrenie zeigen die Betroffenen schwere Störungen des Sprach- und Denkvermögens. Sie können zum Beispiel nicht beim Thema bleiben oder produzierte Sätze machen keinen Sinn. Es treten häufig Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf, wie zum Beispiel die Vorstellung, Nachrichten von Ausserirdischen zu erhalten. Schizophrenie beginnt schleichend und geht meist zunächst mit einem Verlust der Leistungsfähigkeit im sozialen oder beruflichen Umfeld einher. Schizophrenie ist zudem eine vergleichsweise seltene Störung. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen, die familiär gehäuft auftritt.

Zweitens: "Ich verliere die Kontrolle über mich!"

Viele Personen glauben, die Panik würde dazu führen, dass sie die Kontrolle über sich verlieren, und dann entweder wie gelähmt sind und nichts mehr tun können oder dass sie etwas tun werden, dass sie oder andere Personen verletzt oder gefährdet.  Zum Beispiel in Panik wegrennen, andere umrennen, andere verletzen... Dieses Gefühl rührt daher, dass während einer Panikattacke der gesamte Körper angespannt wird und auf die typische Angstreaktion "Kampf oder Flucht" eingestellt ist. Diese Reaktion ist darauf ausgerichtet so schnell wie möglich aus der Gefahrensituation zu entkommen. Das heißt, sie führt nicht zur Lähmung und nötigt eine Person auch nicht jemanden zu verletzen, der keine Gefahr darstellt. Obwohl sich Personen mit Angst und Panik häufig etwas durcheinander und losgelöst von der Umwelt fühlen, bleibt ein normales Ausmaß an Denk- und Reaktionsvermögen erhalten. Manchmal wird der starke Fluchtimpuls als Anzeichen dafür gewertet, dass man die Kontrolle über sich verliert. Dieser Fluchtimpuls wird jedoch durch die wahrgenommene Bedrohung ausgelöst, zum Beispiel: "Wenn ich hier nicht raus komme, ersticke ich" und stellt eine normale Reaktion auf diese Bedrohung dar. Das eigentliche Verhalten, z.B. "rausgehen" bleibt kontrolliert.

Drittens: "Ich werde in Ohnmacht fallen!"

Die Angst in Ohnmacht zu fallen, ist eine der häufigsten Befürchtungen bei Personen mit Panikanfällen. Tatsächliche Ohnmachten sind jedoch sehr selten. Normalerweise führen Paniksymptome wie Schwindel, weiche Knie oder Schwächegefühle zur Annahme, man könne ohnmächtig werden. Die körperlichen Vorgänge bei Panikattacken sind jedoch nicht mit einer Ohnmacht vereinbar, da während der Panikattacke gegenläufige Prozesse ablaufen. Herzrate und Blutdruck erhöhen sich, der ganze Körper spannt sich an. Ohnmachten dagegen treten auf, wenn sich der Blutdruck plötzlich absenkt. Wenn eine Person ohnmächtig wird, dann gelangt sie normalerweise innerhalb weniger Sekunden wieder zu Bewusstsein. Die Ohnmacht ist ein Mittel des Körpers, um zu einer normalen Funktionsweise zurückzukehren, also z.B. den Blutdruck zu stabilisieren

Viertens: "Ich werde einen Herzanfall erleiden!"

Häufig werden die Symptome einer Panikattacke fälschlicherweise als Zeichen eines bevorstehenden Herzinfarkts gewertet. Dabei unterscheiden sich die Symptome einer Panikattacke von denen eines Herzinfarktes gravierend. Bei Herzerkrankungen stehen die Symptome wie Kurzatmigkeit,  Brustschmerzen, gelegentliches Herzstolpern und Schwächegefühle im Vordergrund. Im Gegensatz zur Panik sind diese Symptome direkt an Anstrengungen gekoppelt. Je mehr man belastet ist, zum Beispiel durch Sport, desto stärker werden die Symptome. In Ruhe gehen die Symptome schnell weg im Gegensatz zur Panik, wo Symptome häufig völlig unerwartet wie aus heiterem Himmel auftreten.

Fünftens: "Ich habe eine andere körperliche Erkrankung!"

Abhängig von der Art der vorwiegend erlebten Körpersymptome können eine Reihe weiterer Missinterpretationen körperlicher Symptome auftreten. Zum Beispiel bei Kopfschmerz oder Schwindel die Befürchtung einen die Hirntumor zu haben. Auch bei diesen Befürchtungen lässt sich meist feststellen, dass andere wichtige Kriterien für eine solche Erkrankung nicht erfüllt sind, zum Beispiel müssten für einen Hirntumor die Schmerzen dauernd bestehen.