Frage: Haben die jüngeren Menschen kein Verhältnis mehr zum Geld?

Das Verhältnis zu Geld lernt man bereits in der Kindheit. Vorbilder sind meist die Eltern und deren guter oder schlechter Umgang mit Geld. Daher ist es häufig so, dass wenn die eigenen Eltern schlecht mit Geld umgehen können, es ihnen die Kinder gleichtun. Pauschal würde ich aber nicht behaupten, dass jüngere Menschen kein Verhältnis mehr zum Geld haben. Es gibt viele junge Menschen, die sehr verantwortungsvoll und vorausschauend mit Geld umgehen.

Frage: Woher kommt das Bedürfnis, sich etwas zu kaufen, obwohl man es sich überhaupt nicht leisten kann? 

Das Bedürfnis, sich Dinge zu kaufen bzw. zu besorgen, ist so alt, wie die Menschheit selbst. Geld fungiert einfach als wertiges Tauschmittel, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen. Hier gibt es zum einen die Grundbedürfnisse, die natürlich finanziert werden müssen, wie ein Dach über dem Kopf oder Essen und Trinken. In der heutigen Konsumgesellschaft bekommt man jedoch durch Werbung suggeriert, im ständigen Defizit zu leben und für sein Glück weitere Konsumgüter anhäufen zu müssen. Beispielsweise, um in der Welt der sozialen Medien mithalten zu können. Schließlich möchte niemand ein Außenseiter in der Gruppe sein, denn unser Gehirn evolutionsbedingt darauf programmiert, einer sozialen Gruppe anzugehören. Das war in früheren Zeiten überlebenswichtig und ist noch heute in unserem genetischen Erbe verankert. Heute glauben jedoch viele durch den Kauf von Konsumgütern wie das neueste iPhone oder der große Flachbildschirm in seiner Peergroup bewundert, anerkannt und akzeptiert zu werden. Und dieses Bedürfnis ist leider manchmal stärker ausgeprägt als das Schuldenbewusstsein. 

Frage: Kann man den Umgang mit Geld noch als Erwachsener lernen?

Auf jeden Fall. Ein Mensch lernt lebenslang und auch oft aus schmerzvollen Fehlern. Dennoch scheint auch die Persönlichkeit eines Menschen davon abzuhängen, wie stark die Fähigkeit mit Geld umzugehen ausgeprägt ist. Jeder Mensch hat gewissermaßen mehr oder weniger Talent im Umgang mit Geld und kann besser oder schlechter damit haushalten.

Frage: Haben Jüngere nicht mehr gelernt zu verzichten?

Insgesamt sind die heutigen Jugendlichen in einer Zeit aufgewachsen, in der prinzipiell alles zur Verfügung steht. Der Verzicht ist also im Vergleich zu früher eher zu einer Tugend geworden. Auf der anderen Seite müssen und wollen heutzutage oft beide Elternteile arbeiten, um die Familie mit dem gesellschaftlich gewünschten Standard zu versorgen. Dadurch haben sie natürlich auch weniger Zeit für ihren Nachwuchs als früher, was dazu führt, dass man in der kurzen gemeinsamen Zeit als Familie bestrebt ist, die Bedürfnisse der Kinder bestmöglichst zufriedenzustellen. Auch um zusätzlichen Stress neben der Arbeit zu vermeiden, bekommen Kinder ihre materiellen Wünsche schneller erfüllt. Lieber sofort das Eis kaufen, wenn sie quengeln, damit Ruhe und Frieden im Familiengefüge bewahrt werden. Das Problem dabei ist, dass Kinder so die Tugend des Verzichts verlernen. Aus psychologischer Sicht ist das aber eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben. Das zeigen auch Studien wie der berühmte „Marshmallow-Test“, bei dem kleine Kinder kurzfristig auf Schokoküsse verzichten müssen, um später mehr zu bekommen. Diese Fähigkeit ist die Grundlage für einen bedachten Umgang mit Geld.

 Frage: Sind die Eltern daran schuld? Oder die Gesellschaft?

Beides beeinflusst sich gegenseitig. Die Eltern sind immer Kinder ihrer Zeit und die Gesellschaft prägt die Einstellungen der Eltern. Daher kann man hier niemandem die Hauptschuld geben. Auch die Gesellschaft kann ein gutes oder schlechtes Vorbild sein. Wir leben Gott sei Dank in einer freien Gesellschaft, in der Eltern ihre eigenen Werte vermitteln können. Das sollten Eltern nutzen, um ihren Kindern bereits früh den richtigen Umgang mit Geld beizubringen.