Frage: Was genau ist eine Angststörung? Ist es dasselbe wie eine Phobie?

Eine Phobie zeichnet sich durch eine konkrete Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen aus, z.B. Angst vor Höhe oder Angst vor Spinnen. Der Begriff Angststörung ist erstmal ganz allgemein und drückt sich in verschiedenen Ausprägungen aus, z.B. soziale Phobie, Agoraphobie, generalisierte Angststörung, usw. Jede Angststörung zeichnet sich durch ganz spezifische Symptome aus, die es abzuklären gilt. Die Diagnose stellt zumeist ein Psychotherapeut oder Psychiater. Vor bedrohlichen Situationen Angst zu haben ist ganz normal. Eine Angststörung liegt erst dann vor, wenn die Angst Überhand nimmt (also körperlich und psychisch belastet) oder die Angst im Vergleich zur tatsächlichen Bedrohung unangemessen hoch ist oder in eigentlich unbedrohlichen Situationen heftig mit Angst reagiert wird. Oft legen Angstpatienten auch auch ein deutliches Vermeidungsverhalten an den Tag.

Frage: Nimmt die Zahl der Angstpatienten zu?

Schwer zu sagen, denn die Akzeptanz psychische Probleme zu haben und sich professionelle Hilfe zu holen, scheint in der Gesellschaft erfreulicherweise zuzunehmen. So ist zumindest mein Eindruck. Fakt ist aber, dass Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen gehören. Etwa 15 Prozent plus minus aller Menschen leiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Angststörung. Die Dunkelziffer dürfte nicht zu unterschätzen sein.

Frage: Sind Angststörungen auch ein gesellschaftliches Phänomen?

Die Gesellschaft bzw. die Kultur, mit der wir aufwachsen, prägen auch die Ängste, die wir haben. So gibt es in der westlichen Welt weniger Menschen, die beispielsweise Angst vor Voodoo Zauber haben, während in afrikanischen Volksstämmen die Angst, einen Burnout zu erleiden, sicherlich auch nicht häufig vorkommen wird. Manche Ängste sind aber in allen Menschen evolutionsbiologisch angelegt, man spricht dann von „Preparedness", z.B. Angst vor wilden Tieren, Schlangen oder Spinnen. Da schrecken wir automatisch mit Angst und Ekel zurück und das ist auch sinnvoll. Aber Angst vor Hunden, Hausspinnen, Löwen in Käfigen oder Blindschleichen zu haben ist nicht vorgesehen.  

Frage: Welche sind die häufigsten?

Wenn man die Phobien alle zusammenfasst, sind diese wohl am häufigsten, allerdings gibt es eine sehr große Anzahl unterschiedlicher Phobien. Teilweise auch ganz ausgefallene, wie Angst vor Vögeln (Ornithophobie) oder Angst vor Wasser (Aquaphobie). Je nach Altersgruppe, Geschlecht und Lebenssituation sind bestimmte Angststörungen eher wahrscheinlich. Die häufigste Phobie ist die Agoraphobie (Platzangst). Menschen mit dieser Störung vermeiden bzw. haben große Angst vor längeren Reisen, großen Plätzen und Menschenmengen. Sie fürchten in diesen Situationen einen Kontrollverlust oder ohnmächtig zu werden. Diese Störung tritt auch häufig mit Panikattacken auf.

Frage: Was genau ist eine Panikattacke?

Eine Panikattacke ist ein extremer Angstanfall mit körperlichen Begleitsymptomen, z.B. Schwindel, Herzrasen, Schwitzen, usw. Auch Gedanken wie „Ich könnte jetzt sterben, verrückt werden oder umfallen“ sind typisch bei Panik. Eine Panikattacke kann begleitend zu einer Angststörung auftreten, aber auch unabhängig von der Situation ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, auftreten. In diesem Fall würde man dann von einer Panikstörung sprechen.

Frage: Treten bei Angststörungen immer Panikattacken auf?

Nein, Panikattacken sind extreme Angstanfälle, die oft nur wenige Minuten andauern. Menschen können ja auch Angststörungen haben, indem sie immer alle angstbesetzten Situationen vermeiden und so der Angst stets aus dem Weg gehen.

Frage: Sind manche Menschen dafür anfälliger?

Angst ist zwar nicht direkt vererbbar, (zumindest gibt es hierfür keine klare Kausalität), aber jeder Mensch kommt mit unterschiedlichen Anlagen und Charakterzügen auf die Welt. So sind einige Kinder insgesamt vorsichtiger und ängstlicher als andere. Ob es dann später zu einem Ausbruch einer Angststörung kommt, hängt aber an ganz vielen Faktoren zusammen. Ein Faktor ist z.B. das Modelllernen. Hat die Mutter auch immer panische Angst vor Spinnen oder der Dunkelheit, so wird sich das Kind das vielleicht von der Mama abschauen. Das Vulnerabilitäts-Stress Modell besagt, dass jeder Mensch eine bestimmte Anfälligkeit für eine Störung hat (sei es aufgrund der genetischen Anlagen oder der familiären Umstände.. Ob die Störung letztlich ausbricht, hängt zusätzlich damit zusammen, wieviel Stress von außen auf den Menschen einströmt. Langandauernder Stress von außen erhöht auf jeden Fall den Ausbruch von psychischen Störungen. 

Frage: Sind häufiger Frauen betroffen?

Bzgl. Angststörungen sind Frauen definitiv häufiger betroffen. Ca. 2/3 der Angstpatienten sind Frauen. Das hat wohl soziale und biologische Gründe. Frauen betonen in der Regel mehr die seelische Komponente für ihr Wohlbefinden, bei Männern sind mehr die körperlichen Beschwerden im Vordergrund.

Frage: Was tut man im Fall der Fälle?

Im Fall der Fälle sollte man die Diagnose erstmal in Ruhe bei einem Experten abklären lassen und sich nicht verrückt machen. Angststörungen sind therapeutisch gut behandelbar. Am besten man vereinbart ein Erstgespräch mit einem psychologischen Psychotherapeuten oder Psychiater, die sich damit sehr gut auskennen. Diagnosen googlen kann oft mehr Angst machen und ist kein guter Rat. Besonders sollte man sich von irgendwelchen Schnelltests im Internet fern halten, die keinen wissenschaftlichen Standards genügen.

Frage: Was kann man langfristig dagegen tun?

Langfristig sollte man sich der Angst stellen, wenn man sie loswerden möchte. Anders geht es leider nicht. Eine therapeutische Vorbereitung ist dafür sehr ratsam. Gut ist immer zu schauen, ob man etwas Stress im Alltag abbauen kann, z.B. durch ausgleichende Hobbies oder Entspannungsübungen. Ein entspannter Mensch ist auch angstfrei, denn Entspannung und Angst passen nicht zusammen. 

Frage: Kann man sich davor schützen überhaupt Angststörungen zu bekommen?

Einen totalen Schutz gibt es nicht, dafür ist die Psyche zu komplex und die Ursachen zu vielfältig. Eines kann ich aber sagen: Auch wenn der Leidensdruck von Angststörungen oft erheblich ist, die Heilungschancen stehen tendenziell für Angststörungen sehr gut. Vorausgesetzt ist, dass man sich helfen lassen möchte und den Mut aufbringt, sich seinen Ängsten auch zu stellen.