Hier das transkribierte Video im Wortlaut:

Hallo, heute möchte ich über das Störungsbild Depression aufklären und euch dazu wichtige Informationen geben.

Zunächst ein paar wichtige Daten und Fakten zum Störungsbild Depression.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass psychische Erkrankungen, wie auch die Depression eine ist, zu den vier häufigsten Ursachen für den Verlust gesunder Lebensjahre bedeuten. Die Top 3 sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartige Neubildungen und muskuläre bzw. skelettale Erkrankungen, und dann kommen gleich die psychischen Erkrankungen.

Insgesamt sind in Deutschland jährlich etwa 28 % der erwachsenen Bevölkerung von psychischen Erkrankungen betroffen. Ne ganze Menge, d.h. jeder 3. bis 4. Mensch auf der Straße hat psychische Probleme. Und die Depression ist dabei die häufigste Erkrankung weltweit, gefolgt von Angstzuständen und der bipolaren Störung. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erkranken in Deutschland jährlich ca. 5,3 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression.

Wenn es um Krankmeldungen geht, ist die Depression weltweit nach Rückenleiden die zweithäufigste Diagnose, die da gestellt wird. Mit einem Anteil von ca. 43 % sind psychische Erkrankungen der häufigste Grund für eine Frühverrentung.

Depressionen sind die Hauptursache von Suiziden. Es ist die zweithäufigste Todesursache bei den 15 bis 29-jährigen. Die Depression wird laut Bundesgesundheitsministerium häufig unterschätzt.

35 % bis 50 % der Betroffenen erhalten in den Industrieländern wie Deutschland oder den USA trotz Erkrankung keine Behandlung, in den Entwicklungsländern sind es sogar bis zu 85 %!!

Was ist eine Depression eigentlich genau?

Man spricht bei Depression von einer psychischen Erkrankung, wobei ich ungern Erkrankung sage. Für mich ist Depression eher eine Episode, die jeden treffen kann, aber die in aller Regel vorübergehend ist und somit auch wieder verschwinden kann. Häufig ist dazu aber eine Psychotherapie angezeigt, um der Wurzel auf den Grund zu gehen, und um die Depression nachhaltig loszuwerden.

Was sind die Symptome einer Depression?

Hier kann man zwischen emotionalen und körperlichen Symptomen unterscheiden. Wichtig dabei ist, dass es sich um Symptome handelt, die länger als zwei Wochen andauern. Vorübergehende negative Emotionen und körperliche Einschränkungen sind erstmal ganz menschlich und normale Reaktionen auf negative Ereignisse, die immer mal vorkommen. Dafür sind wir Menschen, und keine Roboter.

Emotionale Symptome können sein:

  • gedrückte und depressive Stimmung
  • Verlust des Interesses an Aktivitäten, die in der Vergangenheit eigentlich immer Spaß gemacht haben
  • Gefühl von Hoffnungslosigkeit
  • Ängste haben oder auch ein Gefühl der Leere oder Unruhe
  • Schuldgefühle haben
  • sich wertlos fühlen, sich hilflos fühlen, also einen niedrigen Selbstwert zu haben
  • eine eingeengte Denkweise zu haben, z.B. nur negativ über die Vergangenheit zu denken oder pessimistisch in die Zukunft zu schauen
  • Reizbarkeit
  • und wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Selbstmord

Körperliche Symptome können sein:

  • Schlaflosigkeit oder ein zu großes Schlafbedürfnis
  • ständige Unruhe oder innere Unruhe
  • langsames Sprechen, langsame Bewegungen
  • erhöhter oder verringerter Appetit
  • Erschöpfungszustände und Müdigkeit —> sich insgesamt antriebslos zu fühlen
  • Konzentrationsschwierigkeiten, sich also nicht mehr richtig auf eine Sache konzentrieren können
  • Gewichtsveränderungen
  • Diffuse Schmerzen zu haben ohne klare körperliche Ursache

Erstmal ganz wichtig. Wenn du glaubst, an einer Depression zu leiden, vereinbare unbedingt ein Gespräch mit einem Fachmann, einem Psychiater oder Psychotherapeuten. Komm´ hierzu gerne in meine Sprechstunde und wir machen eine vernünftige und ausgiebige Diagnostik, um herauszufinden, ob du wirklich an einer Depression leidest.

Wer ist typischerweise von einer Depression betroffen und was sind typische Anzeichen?

Frauen sind tendenziell häufiger betroffen als Männer, etwa im Verhältnis 2:1. Unterschiedliche biologische und hormonelle Faktoren könnten dafür die Ursache sein.

Typische Symptome bei Frauen sind Traurigkeit, Wertlosigkeit und Schuldgefühle.
Männer hingegen sind eher müde, reizbar und manchmal auch wütend. Sie haben auch eher Schlafprobleme, verhalten sich rücksichtslos oder verlieren Interesse an angenehmen Aktivitäten. Häufig kommt es bei Männern auch zu einem Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Ältere Menschen neigen v.a. zu Depressionen, wenn sie von der Gemeinschaft isoliert werden und vereinsamen. Z.B. wenn sie ihren Partner verlieren, in Rente gehen oder zusätzlich andere körperliche Erkrankungen bekommen. Bei älteren Menschen ist häufig das Problem, dass sie es oft nicht zugeben, dass sie Kummer haben. Gedächtnisverlust bei älteren Menschen könnte bspw. ein Anzeichen für eine Depression sein, es könnte aber auch eine beginnende Demenz vorliegen.
Jüngere Kinder, die an Depressionen leiden, zeigen dies häufig körperlich. Sie sind häufiger körperlich krank, klammern sich sehr an die Eltern oder weigern sich in die Schule zu gehen.
Bei älteren Kindern kann sich eine Depression hinter anderen Störungen verstecken, wie z.B. Angststörungen, Essstörungen oder Drogenmissbrauch. Auch sie haben zumeist auch schulische Probleme.

Gibt es unterschiedliche Arten von depressiven Erkrankungen?

Erstmal kann man festhalten, dass zwei Formen der Depression am häufigsten vorkommen.

  1. Die Major Depression
  2. Die Dysthymie

Die Major Depression besagt, dass die Depression beinahe durchgehend ist, jeden Tag, für mindestens 2 Wochen. Die Fähigkeit in dieser Zeit zu arbeiten, zu schlafen, zu lernen, zu essen und das Leben zu genießen ist dadurch stark beeinflusst. So eine Major Depression kann als Episode einmal im Leben auftreten oder mehrmals.

Bei der Dysthymie hält die Episode seit mindestens 2 Jahren an und schwankt zwischen Episoden einer Major Depression und Episoden von etwas schwächeren depressiven Symptomen. Im Schnitt sind diese Menschen generell die meiste Zeit niedergestimmt.

Andere Formen von Depressionen sind die Winterdepression, die saisonal nur im Winter auftritt und dadurch beeinflusst wird, dass man weniger Sonne abbekommt. Sie kehrt erwartungsgemäß jedes Jahr zurück und ist oft begleitet mit erhöhtem Schlafbedürfnis, soziale Zurückgezogenheit und Gewichtszunahme.

Dann gibt es die postnatale Depression. Sie wird bei Frauen durch hormonelle Veränderungen nach der Geburt ausgelöst, einhergehend mit Schlafmangel und all jenen Strapazen, die mit der neuen Aufgabe des Großziehens eines Babys einhergehen. Im Normalfall gehen diese Symptome innerhalb von einigen Wochen nach der Geburt wieder zurück, falls nicht, ist sie natürlich ebenso behandlungwürdig wie eine normale Depression. Laut Angaben des National Institute of Mental Health der USA entwickeln 10 bis 15 % der Frauen nach der Geburt eine postnatale Depression.

Bei jeder Depression können übrigens auch psychotische Symptome auftreten. Psychotisch heißt realitätsfremd, es entwickelt sich z.B. ein Wahn mit depressivem Charakter, z.B. Schuldwahn oder Verarmungswahn. Diese Symptome entstehen aber nur, wenn es sich um eine besonders schwere Form der Depression handelt.

Vorsicht geboten ist auf jeden Fall, wenn es nach der Depression zu manischen und stark euphorisierten Phasen kommt. Dann könnte es sich um eine bipolare Störung handeln. Ich kann es an dieser Stelle nur nochmal wiederholen. Eine Diagnose sollte unbedingt und ausschließlich von einem Fachmann gestellt werden. Falls du depressive Symptome an dir entdeckst, vereinbare ein Erstgespräch bei mir oder bei einem meiner Kollegen.

Wie werden Depressionen jetzt richtig behandelt?

Also grundsätzlich gibt es da kein Patentrezept gegen die Depression. Viele Wege führen nach Rom wie man so schön sagt. Je nach Schweregrad der Depression sollte sie entweder stationär oder ambulant behandelt werden. Schwere depressive Episoden werden meist in der Klinik behandelt, was auch Sinn macht, da die Patienten meist auch suizidgefährdet sind. Leichte und mittelgradige depressive Episoden lassen sich aber sehr gut ambulant therapieren. Medikamentös kann auf Antidepressiva zurückgegriffen werden, z.B. die so genannten SSRIs, zu Deusch: Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Darauf möchte ich aber ausführlicher in einem anderen Beitrag eingehen. Fakt ist, je früher eine Diagnose gestellt wird und je früher mit der Therapie begonnen wird, desto besser.

Mein Therapieansatz ist ein ganzheitlicher und individueller Ansatz, d.h. da jede Depression ist etwas anders gelagert ist, sollte die Therapie je nach Patient auch andere Schwerpunkte setzen. Ganzheitlich bedeutet, dass viele verschiedene Methoden zum Einsatz kommen, z.B. Verhaltenstherapie, Entspannungstherapie, Gesprächstherapie und Psychoedukation zu Ernährung, usw. Ich wende oft auch die Hypnose an, um die emotionalen Ursachen der Depression ausfindig zu machen. Individuell bedeutet, dass es bei jedem Menschen andere Ursachen gibt, die es zu berücksichtigen gilt. Hier ist es wichtig, zuerst ein individuelles Störungsbild aufzustellen.

Was sind die Ursachen von Depressionen?

Man geht generell davon aus, dass es eine Kombination ist, aus verschiedenen Faktoren. Eine Kombination also aus genetischen, biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Depressionen können in jedem Alter auftreten, sie beginnen aber meist im Erwachsenenalter. Oft zeigt sich aber schon in der Kindheit eine erhöhte Ängstlichkeit. Depressionen bei älteren Erwachsenen treten häufig in Kombination mit anderen körperlichen Erkrankungen auf, wie z.B. Krebs, Diabetes oder sonstigen körperliche Beschwerden. Auch Medikamente können als Nebenwirkung Depression erzeugen. 

Generell lässt sich sagen, dass es gewisse Risikofaktoren gibt, die Depressionen begünstigen:

  • eine eigene depressive Vorgeschichte,
  • eine familiäre Vorbelastung,
  • einschneidende Lebensereignisse wie Tod, Scheidung, Verlusterfahrungen, usw.
  • Dauerhafter Stress, z.B. im Beruf oder in der Familie
  • Körperliche Vorerkrankungen
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • Traumata in der Vergangenheit, z.B. körperlicher oder sexueller Missbrauch in der Vorgeschichte
  • Geringes Selbstbewusstsein und geringes Selbstwertgefühl, wobei hier oft nicht klar ist, was ist Henne und was ist Ei, also was war zuerst da, die Depression oder das geringe Selbstwertgefühl.
  • andere psychische Störungen, z.B. Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung oder die Borderline Störung

An dieser Stelle möchte ich nochmal erwähnen: Falls du glaubst, depressiv zu sein, wende dich unbedingt und unverzüglich an einen Fachmann. Ein Fachmann ist ein Psychotherapeut oder Psychiater. Die erste Anlaufstelle könnte auch der Hausarzt sein. Oder vereinbare ein Erstgespräch bei mir und wir machen eine umfassende Diagnostik.

Danke fürs Zuschauen und Zuhören. Bis zum nächsten Video.

Euer Ulrich Weber


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